Gabriela Pavón de Naumann

logo  
spacer25 navcorner
 

Home

Vita

Ausstellungen

 

Themen

Kunst braucht Raum

Xochimilco

Chichen-Itzá

 

Ausstellungen

Museo de Arte Moderno

Galeria el Pacifco

Collective Bags

Latin Art

MirArte

Parlament Mexiko

 

Presse

spacer
Chichen-Itzá        
  cabeza coloso
  "Cabeza Olmeca"
2008
150 x 100 cm
Mischtechnik auf Leinwand
"El Coloso"
2008
150 x 130 cm
Mischtechnik auf Leinwand
     
  ventana fragmento
  "Ventana"
2008
60 x 80 cm
Mischtechnik auf Leinwand
"Fragmento"
2008
70 x 90 cm
Mischtechnik auf Leinwand
     
  muroazul murogris
  "Muro azul "
2008
150 x 100 cm
Mischtechnik auf Leinwand
"Muro gris "
2008
150 x 100 cm
Mischtechnik auf Leinwand
     
  entrada tzompantli
  "Entrada al Paraiso "
2008
120 x 120 cm
Mischtechnik auf Leinwand
"Tzompantli "
2008
140 x 140 cm
Mischtechnik auf Leinwand
       
  juego kabah
  "Juego de Pelota "
2008
100 x 100 cm
Mischtechnik auf Leinwand
"Kabah"
2008
120 x 120 cm
Mischtechnik auf Leinwand
       
  mirando ventana spacer25
  "Mirando la Selva "
2008
120 x 120 cm
Mischtechnik auf Leinwand
"Ventana a la Luz "
2008
100 x 100 cm
Mischtechnik auf Leinwand
 
       
  escalero llegada  
  "Escalera al cielo I"
2008
120 x 120 cm
Mischtechnik auf Leinwand
"Llegada al Cielo "
2008
120 x 120 cm
Mischtechnik auf Leinwand
 
       
  pakal subido  
  "Pakal "
2008
120 x 120 cm
Mischtechnik auf Leinwand
"Subida al cielo I "
2008
120 x 120 cm
Mischtechnik auf Leinwand
 
       
  tzoot tzoot2  
  "Tzoot I"
2008
90 x 60 cm
Mischtechnik auf Leinwand
"Tzoot II"
2008
90 x 60 cm
Mischtechnik auf Leinwand
 
       
  balam1 balam2  
  "Balam I "
2008
90 x 60 cm
Mischtechnik auf Leinwand
"Balam II"
2008
90 x 60 cm
Mischtechnik auf Leinwand
 
       
  cutz1 cutz2  
  "Cutz I"
2008
90 x 60 cm
Mischtechnik auf Leinwand
"Cutz II"
2008
90 x 60 cm
Mischtechnik auf Leinwand
 
       
  cutz3    
  "Cutz III"
2008
90 x 60 cm
Mischtechnik auf Leinwand
   
 
spacer25

Gabriela Pavon
Ausstellung CHICHEN-ITZA
2. März 2008 im „Palais Hirsch“, Schwetzingen, Schlossplatz

Dies ist nicht die erste Ausstellung von Gabriela Pavon, bei der ich die Ehre habe, ein paar „Einführende Worte“ zu sprechen. Ich beobachte und begleite Gabriela Pavon schon seit einigen Jahren und kann sagen: Ich kenne wenige Künstler, die einen ähnlich stürmischen Werdegang, ähnlich viele Experimente auf verschiedenartigen Gebieten und mit verschiedenartigsten Materialien, eine ähnliche Leidenschaft und eine ähnliche Vielfalt vorweisen könnten. Ich werde diese Vorab-Laudatio später noch begründen.

Gabriela Pavon macht es jedem Eröffnungsredner leicht, einen Einstieg zu finden durch ihre für uns „exotische“ Herkunft. Sie stammt aus Mexiko – einem Land, mit dem wir Sonne, Farben, Musik, bunte Märkte und laute Lebensfreude assoziieren. Diese Seite ihrer Heimat hat Gabriela Pavon in einer früheren Ausstellung durch Bilder voll erdigen Farben und wohliger Wärme dargestellt. Heute lässt sie die andere, die dunklere Seite Mexikos anklingen: Das sind die alten Tempelstädte, Formen archaischer Architekturen und verschattete Farben. Entgegen unserer Klischee-Vorstellung vom sonnigen Mittelamerika ist der Himmel über Mexikos Halbinsel Yucatán selten strahlend blau – sondern meist wolkenverhangen. Das Klima ist warm und feucht – also ungeheuer fruchtbar. Die Architekturen, die Tempel und Mauern, kurz: das Menschenwerk, wird von der Natur nicht lange geduldet. Sie überwuchert alles in kurzer Zeit. Die Natur holt sich das Menschenwerk wieder zurück. Sie verleibt es sich ein.

Gabriela Pavon hat sich ein neues Gebiet erobert = eigentlich ein altes Gebiet: die gegenständliche Malerei. Die Künstlerin geht  einen zum Mainstream gegenläufigen Weg: Viele Maler (seit dem 20. Jh.) begannen mit gegenständlicher Malerei, (einfach, weil man sich vor Wassily Kandinsky nichts anderes denken konnte als eine Ab-Bildung dieser Welt). Eine große Errungenschaft für die Malerei war es, sich allmählich von einem abzubildenden Gegenstand zu befreien, zur Abstraktion zu gelangen – und damit zu einer ungeahnten Vielfalt neuer Ausdrucksmöglichkeiten.

Auch Gabriela Pavon malte schon abstrakter, spielte mit reinen Farben und Formen. Jetzt kehrt sie zurück zu einer Deutung der Realität, wenn auch sehr frei und auf sehr persönliche Weise. Allein die Tatsache, dass sie vermehrt die rationalen Formen von Rechtecken und Quadraten wählt und dabei von Mauern spricht, zeigt, dass sie auf dem Weg in die Gegenständlichkeit ist. Sie hat ein neues Thema:
Ausschnitte von alten Mauern
Mauern schützen Bewohner von Häusern und Städten, grenzen Feinde aus, trennen heilige von profanen Bereichen, sind unüberwindbar, sind durchlässig. Tore in Mauern ergeben Eingänge und Ausgänge, Einblicke in Privates und Intimes sowie Ausblicke auf die Ferne da draußen.

Alte Mauern erzählen Geschichten. An ihnen ist die Baugeschichte ablesbar, die Veränderung eines Bauwerkes, der Wohlstand einer Stadt: Ist die Mauer aus heimischem Stein oder aus einem aus der Ferne herbeigeholten, edlerem und teurerem Stein? Was für Veränderungen hat die Mauer erfahren? Wird sie von Menschen erhalten oder wird sie von der Natur zurückverwandelt in Natur-Material?
Mauern sind Menschenwerk
Menschenwerk: Das sind geometrische Gebilde, die in der Natur kaum vorkommen (seltene Kristalle ausgenommen). Die Natur erscheint uns als ein kreatives, gesetzmäßiges Chaos mit wechselnden organischen Formen, mit allen unter dem Regenbogen möglichen Farben, mit variierenden Strukturen, mit Irrtümern und doch einer ständigen Weiterentwicklung inmitten von permanentem Werden und Vergehen.
Dagegen: Klare Formen mit mathematisch definierten Begrenzungen und berechenbaren Flächen und Volumen, Rechteckiges, Quadratisches, mit dem Lineal gezogene Geraden oder mit dem Zirkel gezogene Rundungen = Geometrie eben: Das ist Menschenwerk – und das ist der Anlass für die neuesten Pavon-Gemälde.
 
Gabriela Pavon gibt ihr neues Thema „Mauern“ wieder durch Rechtecke und Quadrate. Diese Rechtecke können alte Mauersteine sein – oder die Idee der rationalen Konstruktion von Bauwerken, die Stein auf Stein, mit Ordnung und Disziplin, nach den in der Menschheitsgeschichte herausgefundenen Gesetzen der Schwerkraft sowie des Tragens und Lastens errichtet werden. Manchmal zitiert Gabriela Pavon Mexikanische Mauern geradezu realistisch, z.B.  die runden, ornamentalen Löcher in den Steinen:
caban
oder die plastische Verzierungen („Ballspiel“ unten):

juego

oder richtige Bildnisse, die als Reliefs mit starker plastischer Tiefenwirkung in die Steine gegraben wurden.

subida

Wenn sich uns ein Zitat nicht gleich erschließt, liegt es wahrscheinlich an unserer Unkenntnis dessen, was da zitiert wird.

Der Titel der Ausstellung „Chichen-Itza“ bringt uns die Urbilder näher: Chichen-Itzá ist eine der bedeutendsten und größten Stätten der Mayas.
Die einstige Hochburg der Mayas war im 1. Jahrtausend ein blühendes Handelszentrum - als südlichere Städte Mexikos bereits zugrunde gegangen waren. Chichen-Itzá ist heute ein phänomenales Zeugnis einer vergangenen Hochkultur. Tempel mit himmelhoch scheinenden Treppenanlagen:
lugada

Stelen mit geometrischen Ornamenten, aber auch riesige Baukörper in Würfelformen bestimmen das Stadtbild, das ständig vom Urwald bedrängt und überwuchert wird.

Schauen wir uns 2 Bilder näher an:

entrada

Viele Möglichkeiten:

  1. Rationale Ebene: Ich sehe eine reale Mauer aus tonnenschweren Quader-Steinen mit einer Torartigen Öffnung, dahinter Ausblick ins Licht, nach draußen: in südliche, gleißende Helligkeit,
  2. Assoziative Ebene: Ich stelle mir vor: ein Bühnenbild für „Aida“. Oder: das Stadttor des uneinnehmbaren Troja, das für das verheerende Danaer-Geschenk offen steht. Ich erkenne Ägyptische Tempel-Gigantomanie und ihre formalen Nachempfindungen vom Jugendstil bis zur Bauhaus-Architektur – jetzt wieder aufgegriffen in der Post-Moderne.
  3. Emotionale Ebene: Ich empfinde Wärme, ich sehe die klare Bauweise und erkenne die klassischen Schönheitsregeln, aber auch die strenge Gesetzmäßigkeit der Proportionslehre. Ich spüre dem Weg nach vom Dunkel ins Licht, ich assoziiere das „Licht am Ende des Tunnels“,  oder: das Licht, das Sterbende empfängt.
  4. Material-Assoziationen: Ansicht von rostigen Metallplatten, Aufsicht auf handgefertigte Bodenfliesen. Kontrast und Harmonie von Schwerem und Leichtem. Vordergründige und hintergründige Farben. Glätte und extreme Rauheit der Materialien.

Jeder Betrachter sieht etwas Anderes, empfindet etwas Anderes und assoziiert etwas Anderes – und das ist gut so.

Beim Betrachten dieses Bildes (Titelbild der Einladung zur Ausstellung)

mirando

erleben wir durch den Umkehreffekt von „positiv : negativ“ etwas ganz Anderes:
Sind wir hier vielleicht in einem hellem Innenraum, umgeben von Mauerwerk und blicken durch 2 Öffnungen (oder durch eine von einem Balken versperrte Öffnung?) ins Grüne, das dann gleich ein Dschungel ist aus vielerlei dichtem Grün?

Oder: Stehen wir außen vor einer Mauer und blicken durch eine Fenster-Luke in ein Haus hinein, das von der Natur bereits „zurückgeholt“ wurde und in dessen Hohlraum jetzt wieder der Dschungel „wohnt“?

Oder sind es „nur“ fein behandelte – im weitesten Sinne – weiße Flächen, aufgelockert durch dunklere Schattierungen und belebt durch 2 grün-tonige  Rechtecke? Mit solch meditativen Bildern wird man nicht so schnell fertig – und jeder Betrachter sieht darin etwas Anderes – etwas Eigenes.

Gabriela Pavon experimentiert mit allen verfügbaren Mal- und Gestaltungsmöglichkeiten. Diesmal arbeitet sie mit einer Mischtechnik: Acrylgrundierung unter Ölfarbe. Die lasierende Ölfarbe lässt untere Farbschichten durchscheinen. Außerdem wird die obere Schicht nicht flächendeckend aufgetragen sondern lässt „Löcher“ frei, durch die untere Farbschichten dem Auge offen zugänglich sind – quasi Inseln mit amöbenhaft ausufernden Rändern. (Unten im Foyer lohnt eine Nah-Sicht auf die mächtigen Köpfe kolossaler Reliefs: Da entsteht durch vielschichtigen Farb- und Materialauftrag der perfekte Eindruck von altem, verwitterten, mit Moosen überzogenem Stein.)

Auf den ersten Blick mag Ihnen die Mehrzahl der Bilder düster scheinen. Wir erwarten vielleicht starke Farben der mexikanischen Lebensfreude. Hier sehen wir aber viele dunkle Töne. Die stehen für den intensiven Umgang der Mexikaner mit dem Tod. Denken Sie nur an die rituellen Totenfeste ganzer Familien am Grab ihrer Verstorbenen.

Also:
Dunkle Grau- und Schwarz-Töne dominieren die meisten Gemälde.

Aber:
Dies sind trotz allem sehr farbige Bilder: auf den zweiten Blick.
Mit einem Blick, der tiefer in die Farbschichten eindringt, erkennen Sie eine südländische Farbenpracht: Da gibt es Rot, Orange, Pink, Violett, auch flüssige Kupferfarbe mit metallischem Glanz, und etwas Blau und Grün – aber alles dezent unter überlagernden Farbschichten versteckt und nur minimal hervortretend. Man muss diese Farbenpracht richtiggehend suchen und entdecken.
z.B. Pinkfarbige Fugen in diesem „Mauerwerk“ oder „Mauerausblick“

ventana

Es lohnt sich also, diesen Gemälden - nach der Betrachtung aus der Ferne – näherzutreten und sich (neben der wuchtigen Form) auf die Feinheiten dieser quasi Mauer-Blöcke einzulassen. Bei extremer Nah-Sicht auf Mauern im Freien entdeckt man ja auch viele feine Strukturen und unterschiedlichste Farb-Nuancen: durch Bewuchs, durch Moose oder durch Erosion und Verletzungen. So auch hier. Nah-Sicht und Fern-Sicht verbin­det Gabriela Pavon zu einer geistigen Gesamt-Schau.

Was Sie auf jeden Fall sehen (sollten), ist die sensible Kolorierung, der (im wahrsten Sinne) viel-schichtige Pigment-Auftrag, die feine Farb-Kultur der Malerin. Eine „weiße“ Fläche ist nicht etwa platt weiß, sondern vibriert in vielen benachbarten Tönen, deren Summe ein „Weiß“ genannt werden kann. Genauso differenziert malt Gabriela Pavon ein „Schwarz“, das bei näherem Hinsehen ein bräunliches Schwarz oder ein bläuliches Schwarz oder ein schillerndes Schwarz ist. Nichts ist simpel – weder die eindeutig scheinende Farbe noch die unkompliziert scheinende Form.

Gabriela Pavon malt seit ihrer Kindheit – und immer intensiver seit 18 Jahren. Seit 10 Jahren hat sie ein eigenes Atelier. In der Mitte ihres Lebens ist sie eine zunehmend selbstbewusste Künstlerin geworden.

Das Leben hier lässt, wenn nicht Heimweh, so doch die Frage aufkommen: Woher stamme ich? Wo gehöre ich hin? Welcher Kulturkreis entspricht mir?

Gabriela Pavon hat eine Synthese gefunden zwischen der Bildsprache ihrer mexikanischer Heimat und einer europäischen Ausdrucksform. Der Erfolg hierzulande zeigt, dass ihre Kunst  - zwischen nicht ganz zu fassender Abstraktion und zu ahnender Hinwendung zum Konkreten  - hier verstanden wird. Es wäre interessant zu erfahren, was Mexikaner in diesen Bildern sehen.

Vorerst aber wird ein größerer Kreis von europäischen Betrachtern die Bilder von Gabriela Pavon sehen können: Bei einer Parallel-Veranstaltung zur „art cologne“ , dem „Tease Fair Cologne“ wird Gabriela Pavon im April in Köln ihre Bilder zeigen. Heute aber freuen wir uns, ihre Gemälde hier zu haben.

Philine Maurus, Februar 2008

 

spacer25